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Elektronisches, Töne angestoßen aber kein Halt für sie, sie entgleiten, bleiben fluid können nicht nachgesungen werden, da sie nicht bestimmt oder fest sind. Sie scheinen zwischen anderen Tönen hin und her zu schwimmen, keine Identität ist ihnen vergönnt.
Jan 14 2026
Eine Atmosphäre und das Spiel mit ihrer Kopie
Sich einer Ausstellung anzunähern heißt, einem Namen, einem Titel zu folgen, dem man auf dem Weg zum Museum noch obendrein als Bild begegnen wird. U-Bahnfernsehen, Plakate, Gedrucktes und hieraus Vorgelesenes. Noch der Blinde wird in seinen inneren Bildern darauf eingestimmt, erinnert sich an das Beschriebene, das die aufmerksame Assistentin ihm auch immer wieder beschreiben wird. Ein Bild, eine Erwartung setzt sich in den inneren Bildern des Blinden fest.
Die Scherben als erste und ganz körperliche Form des Chaos, das nach Benennung ruft, das nach etwas ruft, was das Chaos verursacht hat, wo auf Erden doch Ordnung herrscht. Oder doch nicht?
Jun 9 2025
Die Maske und was sie berührt
Wenn ein Gesicht berührt wird, erstarrt dieses sogleich. Haut einer Hand, Haut eines Fingers auf Haut lässt Haut zu einer Maske erstarren, zur Maske des eigenen Gesichts erstarren. Die Person lässt sich betasten, hält still, um ein Wort als Antwort auf ihr Gesicht zu hören, vielleicht zu empfangen. Berührung ist die Nähe des Blicks aus dem Tastsinn heraus.
Feb 10 2025
Berührung aus der Unendlichkeit
Dunkel. Ein elektronischer Ton, der an eine futuristische Landung eines Fluggeräts erinnert, das aus der Zukunft kommt und von ihr her landet. Dann die Skulptur, ein rotierendes Objekt, das nur zu einem geringen Teil ertastbar ist. Ein zerbeultes etwa 50 cm hohes Aluminiumblech mit einem Durchmesser von 3 mm. Als geschlossenes Objekt wird es sich in Bewegung setzen, als ob ihm daran gelegen ist, sich an einer jeden Stelle seiner Form berühren lassen zu können, um die Berührung aber wieder mit sich hinwegzunehmen. Es spannt sich schräg durch den Bühnenraum hinauf. Ein Objekt als Zeichen des ewigen Umlaufens, ein zerbeultes Objekt aber, Symbol des antiken Kreislaufes, Nietzsches ewige Wiederkehr des Gleichen, die eben niemals das Gleiche hervorbringt, eine zerbeulte ewige Wiederkehr eben.
Jul 29 2024
Der Rauch als letzte Gewissheit
Die Erinnerung eines Erblindeten: dick und schwefelgelb aus sechs Konvertern herausquellende Wolken von Rauch, schwer und plastisch, ja wie greifbar sich träge und doch bedrohlich langsam in Richtung seines Mansardenfensters schiebend. Rauch als sichtbare Form aus der Distanz. Der Junge geht hinaus aus seiner Kammer, geht hinunter in den Garten. Alles von einem orangefarbenem Dunst eingehüllt, schwefliger Gestank legt sich um Hals und Kehle, metallener Geschmack im Mund.
Jul 1 2024
Bildlos der Tanz als Raum oder:
Zuerst war da eine Erscheinung, war da eine Vision, ein Traum des Großvaters: die Enkelin soll groß werden. Eine ganze Performance setzt sich mit der Vision des Großvaters auseinander, setzt sich mit ihr als Segen wie auch als Fluch auseinander, setzt sich durch mit dem Wunsch des Ahnen, dass die Enkelin eine große Ballerina werden soll. Tanz und seine Erarbeitung in der Ausbildung ist harte Arbeit, gehorcht der Disziplinierung des Körpers, und nur ein disziplinierter Körper produziert Schönheit im Sinne des abendländischen Tanzes als Ballett hier des Russischen Balletts Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gesehen in der Dominikanischen Republik.
Mai 20 2024
In Memory of Jess Curtis
Der Weg hinein in ein absolutes Dunkel. Nichts, nichts zu sehen, am Arm von Performer*innen hinein, jedes andere Hineinkommen wäre unmöglich. Das Licht ist ausgeschlossen, zunächst nur Geräusche, von denen niemand weiß, woher sie rühren.
Feb 14 2024
You are into the dark
Aus welch merkwürdigen Vorstellungen das Bild der Sehenden von den Blinden entspringt, war zuallererst an der Dunkelheit und den Reaktionen der sehenden Besucher*innen zu sehen, genauer, am Schock, den die erfahrene Dunkelheit in manchen Sehenden auslöst.
Dez 21 2023
Das Feuer und seine Vorstellung
Der erblindete Autor erinnert sich an das erste oder zweite Schuljahr in der Grundschule, die Aufgabe bestand damals darin: das Malen eines Feuers. Die Faszination ergriff den Jungen, die Faszination für zwei Farben, ein Rot und ein Gelb. Ein Ineinandergreifen der Bewegung des Feuers, die den Jungen ansteckt und er erfährt einen ersten körperlichen Begriff der Mimesis: das Körperwerden eines Wortes. Er erfährt aber auch einen Ausdruck des Chaotischen, von dem er damals keinerlei Vorstellung hatte, er erinnert sich sechzig Jahre später an ein absolutes Chaos aus Rot und Gelb auf weißem Papier, das dem Herrn Oberlehrer aber so gut gefiel, dass es als besonders gelungen an der Wand ausgestellt werden durfte. Aber, der Oberlehrer ist tot, die frühe Faszination für Farben ist längst der Melancholie über die Erblindung gewichen.